Bei unserem letzten Klassentreffen sprach ich mit meinem Jugendfreund Antonius auch über Burkina Faso und dessen Hauptstadt Ouagadougou, 2.200 Kilometer beinahe schnurgerade östlich von Affiniam gelegen, dem Partnerdorf der Dürener Gemeinde St. Josef in St. Lukas. »Die sind aber sehr arm«, bemerkte nachdenklich der Weitgereiste, der auch Armut in Südamerika kennengelernt hatte. Dennoch zeigt uns Wikipedia das Bild eines einladenden afrikanischen Marktes im früheren Obervolta, den ich genauso auch in Senegal finden könnte mit Tomaten, Okrafrüchten, Ingwer, Auberginen, Gurken, Peperoni und anderem Verlockenden mehr. Doch die Käuferinnen scheinen in der fotografierten Szene zu zögern. Vielleicht fragen sie sich, wie viel die Haushaltskasse noch für die nächste Mahlzeit hergibt.
Ich stelle mir vor, wie der berühmte burkinische Revolutionsheld Thomas Sankara (1949 – 1987), von dem heute noch der eine oder andere Afrikaner schwärmt, die täglichen Sorgen seiner katholischen Eltern um Gesundheit, Nahrung und Bildung in der Rolle des ältesten Sohnes früh verstanden hat. Später, irgendwann während seiner Ausbildung zum Offizier, hat der ehemalige Katholik und aktive Motorradfahrer in seinem Eifer die zelotische Kurve zum sozialistischen Weg genommen. In einer poetischen Wendung wollte der Fallschirmjäger und Gitarrist 1983 sein Land von aller Korruption befreien und per Revolution zu einem Vaterhaus (fá só, Worte aus der Sprache der Dioula) mit ehrbaren Menschen (burkina, aus der Sprache der Mossi) umgestalten. Das ist so, als hätten Charles de Gaulle (»Europa der Vaterländer«) und Konrad Adenauer Europa »Vaterhaus intègre« genannt .
In der säkularen Kirche Thomas Sankaras und seiner Mitrevolutionäre kam trotz aller schönen Parolen (Panafrika, Emanzipation der Frauen, Selbstversorgung…) bald Streit um die mit Gewalt duchzusetzenden Reformen auf. «Vaterland oder Tod – wir werden siegen« stand schon martialisch drohend auf dem Landeswappen. Auf der Revolutionsbühne gab Sankaras Weggefährte Blaise Compaoré den Judas beim Mord am Revolutionshelden, um dann ein ewiges Präsidentenamt anzustreben. Doch daran hinderte ihn die Jugend 2014 nach 27 Jahren Präsidentschaft im »burkinischen Frühling« mit massiven Demonstrationen. Seit 2015 soll es der ehemalige Bankdirektor und neue Präsident Roch Marc Christian Kaboré richten.
In diesem Jahr stellt missio Burkina Faso in den Mittelpunkt des Weltmissionssonntags. Das Land mit dem vielversprechenden Namen ist immer noch arm. Die Arbeitsfelder, in denen nach wie vor um kleine Fortschritte gerungen wird, tragen die gleichen Etiketten wie vor Jahrzehnten: Situation der Frauen, Bildung, Gesundheit. Doch die Nonne und die junge burkinische Frau, die zu zweit auf einem Fahrrad durch die Grassavanne von Burkina Faso ins Weite radeln, vermitteln Hoffnung, denn sie lächeln und lachen. Gottvertrauen statt Gewalt lautet ihre Botschaft, auch wenn der Korb an der Lenkstange noch leer ist.
Afrikanischer Markt in BANFORA, Burkina Faso (Wikimedia)